Die perfekten Arbeitssuchenden

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SchlussmitLustig
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Die perfekten Arbeitssuchenden

Beitrag von SchlussmitLustig » Di Sep 03, 2019 1:01 pm

Dies sind meine Beobachtungen, Gedanken und meine Meinung


Dies ist mein persönlicher Bericht über den Spießrutenlauf bei einer Arbeitssuche, wie es oft abläuft. Keine Frage, es ist sicher nicht der Standard, aber ich beobachte es immer wieder und immer wieder fallen mir Gegebenheiten auf, wo der Arbeitssuchende nicht als Mensch, sondern als eine „perfekt zu funktionierende Maschine“ gesucht wird.
Die Arbeitssuche kann schnell und leicht erfolgen. Man innerhalb kürzester Zeit wieder einen neuen Job finden. Doch es kann auch anders laufen, sogar ganz anders….
Ich berichte nun von meinen Beobachtungen, wo ich mich frage, muss der Mensch wirklich so perfekt sein, damit er als gute Arbeitskraft gilt?

Die Bewerbung:
Von den Bewerbern verlangt man ein perfekt geschriebenes Bewerbungsschreiben, am besten eines, wo man das Unternehmen in den höchsten Tönen lobt und den Personaler auf gut Deutsch „Honig ums Maul“ schmiert, weil man sich ja nichts Anderes vorstellen kann, als bei diesem Unternehmen zu arbeiten.
Der Lebenslauf muss ebenfalls perfekt sein. Bloß keine Lücken! Egal, was man gemacht hat, es muss angeführt werden. Ganz ehrlich, wem geht es etwas an, wenn ich ein Jahr aus Krankheitsgründen nicht arbeitsfähig war? Das Unternehmen will sich ein Bild von einem machen, gut, kann er, aber es kann nicht sein, dass das Unternehmen, der Chef oder wer auch immer, alles über den Kandidaten wissen muss. Er muss doch nur wissen, ob der Bewerber die Qualitäten, oder auch Praxis mitbringt, die für die zu besetzende Stelle relevant ist.
Beim telefonischen Bewerbungen ist es doch ganz gleich. Man muss alles perfekt machen. Ja keinen Versprecher, ja den richtigen Namen sagen, ja aufpassen, was man wie sagt und so weiter. Es muss eben alles perfekt sein. An dieser Stelle eine Frage: Eelcher Mensch ist perfekt?

Beim Vorstellungsgespräch:
Und meldet er sich und man wird zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, geht die nächste Runde los. Man muss perfekt gekleidet sein, perfektes Aussehen, perfekte Haltung, perfekte Vorbereitung auf das Gespräch… es muss einfach alles perfekt sein und immer daran denken, bloß keine Fehler machen! Ja keine falsche Antwort und ja auf alles eine Antwort wissen.
Natürlich kann es auch angenehm sein und man wird nach kurzer Zeit locker und es geht leichter im Gespräch des Personalers und man fühlt sich auch wohl, aber meistens ähnelt so ein Vorstellungsgespräch dann doch eher an ein Verhör, wo man Rede und Antwort stehen muss.

Nach dem Gespräch:
Nach dem Gespräch verläuft es dann mal sehr gut und man ist so begeistert vom Kandidaten, dass man ihn haben will. Darüber freut man sich natürlich. Aber es gibt auch den Fall, dass sich das Unternehmen oder der Personaler sich nicht meldet. Es gibt keine Nachricht, kein nichts und wie schon erwähnt, muss der Bewerber dem Unternehmen nachlaufen und nachfragen, wie nun der Stand ist. Dann heißt es oft, Stelle ist besetzt worden und der Bewerber denkt sich „super, kann man mich nicht informieren? Immerhin habe ich Zeit in die Bewerbung gesteckt, ich habe mich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet, habe die Anfahrt auf mich genommen und dann gibt es nicht mal eine Reaktion seitens des Unternehmens?“ Der Frust ist immens groß….
Selten aber doch bekommen die Bewerber die Chance, einen neuen Bereich kennenzulernen. Doch in den meisten Inseraten heißt es, Praxis erwünscht. Schön, wenn sie dann jemanden finden. Aber es gibt auch Menschen, die in diesen Bereich wollen, aber noch keine Praxis vorweisen können. Warum gibt man ihnen dann nicht die Möglichkeit dazu? Denn wer will, lernt schneller, als jemand, der muss.

Thema Praktikum:
Ein immer wieder heikles und Ärger heraufbeschwörendes Thema. Ein Praktikum, eine Probearbeit um die Stelle kennenzulernen ist schön und gut, für beide Seiten, wenn es beide Seiten wollen. Doch dann gibt es Dienstgeber, die sich einen Praktikanten nacheinander holen, um ihnen die leichten Aufgaben zu geben, um Personalkosten zu sparen.
Es gibt Unternehmen, die so praktizieren und das AMS weiß davon, kann oder will nichts dagegen tun. Im Gegenteil, verteilen dann noch fleißig ihre Vermittlungsvorschläge, worauf sich ein Bewerber bewerben MUSS und der Ablauf wieder der Gleiche ist…. Hier sehe ich ein deutliches Fehlverhalten. Ich kann einem Menschen nicht eine Stelle zusenden, wo dieser Hoffnung schöpft, dass es nun wieder bergauf geht und dann stellt sich heraus, dass das Unternehmen nur jemanden für eine Woche sucht, da die Auftragslage gerade gut ist und das AMS dieses Verhalten auch noch unterstützt und der Bewerber am Ende doch wieder beim AMS landet…. Was bringt das? Wieso tut das AMS nichts? Wieso werden gegenüber dem Arbeitssuchenden sofort Sanktionen verhängt, den Unternehmen aber nicht?

Stellensuche:
Es gibt mit Sicherheit schwarze Schafe, die das System ausnutzen. Die sich jeden Monat über das Geld vom Staat freuen. Das will ich nicht bestreiten. Jedoch gibt es genug Menschen, die arbeiten wollen und unabhängig am Leben teilhaben wollen.
Das Thema Arbeitslosigkeit ist ein großes Thema und bis jetzt hat man noch nicht wirklich versucht, eine Lösung dieses Problems zu finden. Es kann aber nicht sein, dass Menschen in eine Sparte gesteckt werden, die sie nicht wollen. Es kann nicht sein, dass Menschen zu etwas gezwungen werden. Wo leben wir bitte??? Nur weil das System nicht fähig ist, die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, werden Menschen zu etwas gezwungen, was sie nicht wollen und dann ist das Geschrei wieder groß, dass man keine guten Leute findet…. Ja hallo? Was erwartet man unter den Umständen??
Auf der anderen Seite müssen Unternehmen Menschen eine Chance zu geben, die wollen und das AMS darf nicht darüber entscheiden, was wer muss und was nicht. Das AMS ist ein Vermittler, kein Gericht, dass über Menschen Urteile verhängen darf.
Es muss einen Weg gefunden werden, schwarze Schafe im System zu finden und diese zu bestrafen, aber ehrliche Menschen, die auf der Suche nach der für sie richtigen Stelle sind, sollten jede nur erdenkliche Unterstützung bekommen und nicht bestraft werden, in dem sie in einen Job gesteckt werden, nur weil dort gerade ein Mangel herrscht. Unter Zwang funktioniert gar nichts! Wenn dann eher mit Überzeugung und dem Abklären, ob man überhaupt für den Bereich geeignet ist. Sonst wird es eine Enttäuschung auf alle Seiten. Dem Bewerber, dem Unternehmen und für das AMS ist es auch keine gute Werbung.

Mein persönliches Fazit:
Ein Arbeitssuchender muss immer perfekt sein und wenn er am Ende doch der Dumme bleibt.
Ein Unternehmen dagegen sitzt immer am längeren Ast und kann mit Arbeitssuchenden umgehen, wie es ihm gerade passt, ohne auch mal Sanktionen zu bekommen.
Es gibt unendlich viele Geschichten über das Thema und jeder, der einmal damit Erfahrung gemacht wird, wird etwas dazu beitragen können. Ich habe meine Beobachtungen nun aufgeschrieben und würde mir wünschen, dass der ganze Bewerbungsprozess auf Augenhöhe passiert, dass Arbeitssuchende endlich wie Menschen und nicht wie perfekt funktionierende Maschinen gesehen werden und das Fehler zumindest gleichermaßen sanktioniert werden.



:!: Es kann einfach nicht sein, dass Menschen Opfer des Systems werden, nur weil die Politik und die Gesellschaft es nicht schaffen, sich (anständig!!) um arbeitslose Menschen zu kümmern. Das es nicht genug Arbeitsplätze gibt, dafür aber genug Arbeitsfähige Menschen die wollen, aber keine Chance bekommen, kann nicht auf deren Rücken ausgetragen werden. Es sollte niemand mehr gezwungen werden eine Arbeit zu verrichten, die er nicht will. Die Bestrafung, weil jemand eine Stelle ablehnt muss beendet werden! Jeder soll dort Arbeit finden, wo er will oder zumindest in einem nahen Bereich. (Anm.: Faule Leute, die gar nicht arbeiten wollen, schließe ich aus, da sie das System schamlos ausnutzen und sie anderes zu behandeln sind)

Ich würde mich einfach ein faires, menschenwürdiges Verhalten aller Beteiligten wünschen und eine offene, selbstgerichtete Arbeitssuche mit Unterstützung und nicht mit Knüppel und Hammer....

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